Multimodelle

Grundidee des Multimodells ist es, unterschiedliche Fachmodelle aus der Planung und aus dem Projektcontrolling in einer Informationsressource zu kombinieren, ohne die Ausgangsmodelle verändern zu müssen.

Multimodell – Kombination von Planungs- und Controllingmodellen

In Mefisto wurde eine Reihe von Softwarekomponenten entwickelt, mit denen Fachmodelle zusammengefasst und durch Linkmodelle verbunden werden können. Das Ergebnis sind im Idealfall konsistente Multimodelle, mit denen konkrete Projektzustände beschrieben werden und die als Grundlage für die Entscheidungsfindung und die Ausarbeitung weiterer Planungs- und Handlungsalternativen genutzt werden können.

Inhalte eines Multimodells zur Angebotsbearbeitung

Die obige Abbildung illustriert die Inhalte eines Multimodells zur Angebotsbearbeitung. In diesem können durch ein Linkmodell (Teilmengensplit) beispielsweise: a) die Elemente eines 3D-Gebäudemodells (Rohbaumodell), b) eines Modells der Baustelleneinrichtung (BE-Modell) und c) die daraus abgeleiteten Mengen (Mengenmodell) mit d) den Positionen eines Leistungsverzeichnisses (LV-Rohbau, Preise) und d) den Teilleistungen einer Kalkulation (Kalkulation) sowie e) den Vorgängen eines Terminplans (Rahmentermine) verknüpft sein. Mit solch einem Multimodell können unterschiedliche Aspekte der Bauaufgabe transparent und nachvollziehbar dargestellt werden. Insbesondere die interaktive Visualisierung der Fachinformationen mit Bezug zum 3D-Bauwerksmodell bietet den Anwendern einen intuitiven Zugang, die enthaltene Planung zu verstehen und zu bewerten.

Multimodell-Container – Austausch von Multimodellen

Für den Austausch der Multimodelle zwischen unterschiedlichen Fachanwendungen und Projektbeteiligten wurde der Multimodell-Container entwickelt. Wie in der folgenden Abbildung dargestellt, definiert dieser die Grundstruktur, wie Fachmodelle und zugehörige Linkmodelle in Abhängigkeit zueinander stehen.

Prinzipieller Aufbau des Multimodell-Containers

Innerhalb des Containers werden die Fachmodelle als unabhängige Informationsressourcen mit eigenem Dateiformat behandelt. Dieses ermöglicht den flexiblen Einsatz etablierter Dateiformate, wie beispielsweise des IFC-Standards für 3D-Gebäudemodelle sowie von GAEB DA XML für Leistungsverzeichnisse. Darüber hinaus wurden in Mefisto eine Reihe von Ergänzungen zu bestehenden Standards sowie einige neue Dateiformate definiert, um den Austausch der Linkmodelle sowie von Baustellenmodellen, Kostenmodellen, Organisationsmodellen und Risikomodellen zu ermöglichen.

Auf der Mefisto-Plattform wird der Multimodell-Container als komprimierte Archiv-Datei ausgetauscht, welche die zusammengehörigen Fach- und Linkmodelle einbindet. Darüber hinaus enthält der Container eine XML-basierte Beschreibung der Inhalte mit Metadaten zu den Gegenständen, Detaillierungen und Formaten sowie den Bearbeitern der einzelnen Fachmodelle. Diese Metadaten unterstützen zum einen die Verwaltung, die Suche und die gezielte Weiterverwendung der Fachmodelle auf der Plattform. Zum anderen können sie dafür genutzt werden, um Multimodell-Vorlagen zu definieren, welche die inhaltlichen und formalen Anforderungen an die noch zu erstellenden Fach- und Linkmodelle vorgeben.

M2A2: Universelle Multimodell-Software zur interdisiplinären Informationsversorgung

Multimodelle im Bauprojekt

Im Vergleich zu den häufig verfolgten zentralen Projekt- oder Produktmodell-Servern stellt der Multimodell-Ansatz einen Paradigmenwechsel dar. Dabei können die Beteiligten eines Bauprojektes weiterhin eigenverantwortlich einzelne Fachmodelle erstellen und diese mit bestehenden Modellen verknüpfen. Je nach Bedarf können die dabei erstellten Multimodelle lokal weiter gepflegt oder projektweit als Grundlage für die Ausarbeitung weiterer Fachmodelle veröffentlicht werden. In ihrer Gesamtheit spannen die Multimodelle eines Bauprojektes einen mehrdimensionalen Informationsraum interdependenter Fachmodelle auf, der von den Projektteilnehmern unabhängig bearbeitet werden kann.

Arten von Interdependenz zwischen Fachmodellen

Die obige Abbildung zeigt, wie Linkmodelle dafür genutzt werden können, um die unterschiedlichen Abhängigkeiten unter den einzelnen Fachmodellen unterschiedlicher Detaillierungen (vertikal), Fachdisziplinen (horizontal) und Projektzeitpunkte (longitudinal) explizit aufzeigen.